Sie vertreten ein Ersthelfersystem, eine Leitstelle oder einen Landkreis? Erfahren Sie, was das RETTERNETZWERK für Ihre Ersthelfenden leisten kann. System, Leitstelle oder Landkreis?
Infos für Partner

Aufgelöst Fall der Woche #2 – Samstag, 9:15 Uhr – der Badesee

13 Ersthelfende haben mitgeraten.
Fall gelöst – alle Tipps sind sichtbar.

TeamRN

Neu auf der Wache
Teammitglied
#TeamRN
Community Moderator
Samstag, 9:15 Uhr. Dein Handy piept: Alarm, 400 Meter entfernt. „Person leblos – Badesee, Steg am Nordufer.“ Du nimmst an und läufst los.

Am Steg stehen drei Leute in Bademänteln und Wollmützen. Auf den nassen Holzbohlen liegt ein Mann, etwa 45, in Badehose. Eine Frau kniet neben ihm und drückt auf seiner Brust, ein anderer hält das Handy – die Leitstelle ist dran.

„Wir gehen jeden Samstag eisbaden. Er ist noch eine Runde rausgeschwommen und war plötzlich weg. Bis wir ihn draußen hatten, hat das bestimmt zwei, drei Minuten gedauert.“

Der Mann ist kalt, blass, die Lippen blau. Er reagiert nicht und atmet nicht. Aus seinem Mundwinkel läuft Wasser. Der Mann am Telefon ruft dir zu: „Müssen wir nicht erst das Wasser aus seiner Lunge holen?“

Auf der Bank liegen eine Thermoskanne, Neoprenhandschuhe, ein Stapel Handtücher und seine Smartwatch. Auf dem Display blinkt: „Sturz erkannt – 9:08 Uhr“. Das Wasser hat heute 12 Grad.

In deiner App siehst du: Ein zweiter Ersthelfer ist unterwegs – mit dem Defi aus dem Bootshaus des Rudervereins.

Deine Fragen:
  • Für alle: Was machst du jetzt – und machst du etwas anders als bei Fall #1?
  • Für Spürnasen: Welches Detail ändert alles? Und was ist nur Ablenkung – oder erst später wichtig?
  • Für Profis: Der Defi kommt. Worauf achtest du hier am Steg – und was gibst du dem Rettungsdienst bei der Übergabe mit?
Fair bleiben: Schreib, was du denkst – ohne KI, ohne Nachschlagen. Falsche Tipps sind ausdrücklich erwünscht, aus denen lernen alle am meisten.

Auflösung am Freitag. Die anderen Antworten siehst du, sobald du selbst geantwortet hast. 😉
 
🔎 Erste:r Spürnase 🎯 Fast
- CPR,
- Patient warm halten (zudecken, trockentupfen, NICHT warmreiben oder ähnliches),
- vor dem Defi-Einsatz auf trockene unterlage verdringen,
- der RD bekommt die Uhr mit.
(Ich persönlich bin mit derlei neumodischen Zeug nicht vertraut - könnte mir aber vorstellen das auf der Uhr mediz. Daten/Notfalldaten zu finden sind, wie auf einem smartphone.)
 
❌ Leider nicht (ganz) richtig
Vermute mal ein ertrinken durch das viele Wasser.
Versuchen durch Kopf zur Seite neigen das Wasser aus den Atemwegen herauszubekommen (nur wenn möglich, nichts „erzwingen“). Ansonsten normal weiterdrücken ohne Beatmung. Dem Rettungsdienst und auch den anderen Ersthelfern, die noch kommen die nötigen Informationen (Vadacht, 2-3 Minuten gedauert, etc.) weitergeben und auch der Leitstelle am Telefon bereits Bescheid geben
 
✅ Richtig
- Vorrangig mehrere Beamtmungen durchführen (Intitalbeatmung) aufgrund des wohl langen Sauerstoffmangels, danach CPR wie gewohnt 30:2
- Die weiteren Helfer sollen für einen Wärmeerhalt sorgen (falls vorhanden nasse Kleidung aus und die Person mit den vorhanden Handtüchern abdecken, gerne auch die Handschuhe anziehen sowie die geschlossene Thermoskanne falls noch laumwarm Körpernah lagern)
- Uhr mit Sturzwarnung und Wassertemperatur ggf. für später wichtig
- Beim einem möglichen Einsatz des Defis auf dem nassen Steg auf Eigenschutz achten (Stromschlaggefahr)
- Info an Rettungsdienst: Unterkühlter und reanimationspflichtiger Patient (Reanimation seit ca. X Minuten), Patient wohl nach seiner Uhr seit 12:08 Uhr bewusstlos. Wassertemp. 12°C
 
🎯 Fast
Ich würde die nasse Badehose ausziehen und ihn auf die trockne Tücher legen und gegebenenfalls noch etwas zudecken um vor weitere Auskühlung zu schützen. Gleichzeitig mit der Herzdruckmassage beginnen .
Ich würde einen der anderen Personen bitten zu beatmen. 30:2, bis die Rettung übernimmt
Ablenkung ist der Sturz lt Uhr, aber wichtig für später
Beim Einsatz des Defi achte ich auf trockenen Untergrund
Für den Rettungsdienst ist die Zeit der Rettung noch wichtig
🤔
 
🎯 Fast
Mit der Annahme eines Ertrinkungsunfalles wäre ich vorsichtig. Der Mann ist ein erfahrener Schwimmer und war nicht lange im Wasser. Es könnte auch sein, dass die Situation durch eine Erkrankung ausgelöst wurde wie einen Herzinfarkt durch den drastischen Abfall der Körpertemperatur. Der Mann ist ja 45 Jahre alt. Vielleicht kann man bekannte Vorerkrankungen bei den Umstehenden erfragen. Auch ein Krampfanfall oder ein Unterzucker kommt in Frage.

Auch ein Unfall mit Verletzungen kommt in Betracht durch einen Sprung in unbekanntes Gewässer. Möglicherweise ist die Halswirbelsäule beschädigt und hat zum Ertrinken oder zum Atemstillstand geführt.

Für die Versorgung durch Ersthelfer:innen spielt das aber alles vorläufig keine Rolle. Der Mann braucht vor Allem die Reanimation, idealerweise in Kombination mit einer Beatmung, denn wenn es ein Ertrinkungsunfall ist, dass fehlt Sauerstoff im Körper.
 
🎯 Fast
Für Alle:
Ich sehe die Situation als einen Ertrinkungsunfall. Ich werde die Frau sofort ablösen und die Reanimation übernehmen. Bei einer ertrunkenen Person ist kein Restsauerstoff mehr im Körper vorhanden, weshalb die Beatmung von entscheidender Bedeutung ist. Hier liegt der Unterschied zu Fall #1.

Für Spürnasen:
Das Detail, dass Wasser aus dem Mund läuft, macht deutlich, dass es sich um eine ertrunkene Person handelt.

Die Neoprenhandschuhe und die Thermoskanne sind nicht wichtig. Die Smartwatch mit dem blinkenden Display ist ebenfalls irrelevant, da der Patient sie während des Unfalls nicht getragen hat; andernfalls hätte er sie noch am Arm. Sie könnte auch einem der anderen anwesenden Personen gehören.

Die Handtücher werden später von Bedeutung sein.

Für Profis:
Bevor die Defi-Pads aufgeklebt werden, muss der Oberkörper des Patienten mit den Handtüchern getrocknet werden, da die Pads sonst nicht haften. Es muss darauf geachtet werden, dass beim Auslösen des Schocks niemand mit Wasser auf dem Steg in Kontakt kommt.

Ich teile dem Rettungsdienst mit, dass es sich um einen ertrunkenen Patienten handelt und dass er noch Wasser in der Lunge hat.
 
🎯 Fast
Was machst du jetzt? Bei Herz Kreislauf stillstand, der hier deutlicher als im ersten Fall vorliegt beginnen wir umgehend mit der CPR! Ob der Patient durch einen "Kälteschock" , oder Kardiologische (andere) vorerkrankungen, oder was auch immer einen Herz-Kreislauf stillstand erlitten hat, wird klinisch abgeklärt werden . Wir wissen aufgrund der Smart-Watch die Zeit des Sturz, aber nicht wo dies war und ob er schon bewusstlos war hat die Uhr "uns" nicht verraten, obwohl sie das wüsste ;-). Wasser aus der Lunge zu beseitigen wissen wir als qualifizierte Helfer ist nonsens. Beim arbeiten mit Defi hier besonders auf den Eigenschutz achten. Die Umgebung ist Nass. Der Patient muss zur Wärmeerhaltung mit Decken, Bademänteln etc. erwärmt und vor dem kalten Boden geschützt werden. Dem Rettungsdienst gebe ich das übliche, plus die Information der Smart watch mit.
 
Was machst du jetzt? Bei Herz Kreislauf stillstand, der hier deutlicher als im ersten Fall vorliegt beginnen wir umgehend mit der CPR! Ob der Patient durch einen "Kälteschock" , oder Kardiologische (andere) vorerkrankungen, oder was auch immer einen Herz-Kreislauf stillstand erlitten hat, wird klinisch abgeklärt werden . Wir wissen aufgrund der Smart-Watch die Zeit des Sturz, aber nicht wo dies war und ob er schon bewusstlos war hat die Uhr "uns" nicht verraten, obwohl sie das wüsste ;-). Wasser aus der Lunge zu beseitigen wissen wir als qualifizierte Helfer ist nonsens. Beim arbeiten mit Defi hier besonders auf den Eigenschutz achten. Die Umgebung ist Nass. Der Patient muss zur Wärmeerhaltung mit Decken, Bademänteln etc. erwärmt und vor dem kalten Boden geschützt werden. Dem Rettungsdienst gebe ich das übliche, plus die Information der Smart watch mit.
...oh ja, da hat Stefan22 wohl besser gelesen als ich. Die Smart-Watch hatte er nicht um......
 
✅ Richtig
Atemwege frei machen 5 initiale Beatmungen und dann Toraxkommpresion. Wenn AED vor Ort ist übernimmt 2 Person Anschluss AED Schock Abgabe und Beatmung . Wechsel nicht vergessen - Kann Schweißtreibend sein 🙈
 
✅ Richtig
Eigenschutz beachten
Atmung kontrollieren
5 initiale Beatmungen (Ertrinkungsunfall)
Reanimation 30:2 fortsetzen
AED einsetzen
Vor Auskühlung schützen
 
🎯 Fast
Ich würde die Frau bei der Herz-Lungen-Massage ablösen (selbst bei gekonnter Ausführung wird es ja schnell anstrengend).
Die anderen Umstehenden würde ich dann anweisen mit den Handtüchern und Handschuhen für möglichst viel Wärme (-erhalt) zu sorgen.

Beim Defi kann ich mir vorstellen, dass das Wasser ein Problem sein könnte und der Patient auf einen trockenen Untergrund gebracht werden muss.

Ich bin auf die Lösung gespannt. Hier kann man, gerade als "einfacher EH", richtig was lernen. 👍
 
✅ Richtig
Beim Defi kann ich mir vorstellen, dass das Wasser ein Problem sein könnte
Tatsächlich lässt sich ein nasser Patient nicht effektiv defibrillieren. Wasser führt dazu, dass der Strom auf der Hautoberfläche entlanggeleitet wird. Er erreicht dann nicht die Tiefe des Gewebes. Du hast also vollkommen Recht: Der Patient muss vor der Defibrillation abgetrocknet und auf einigermaßen trockenen Untergrund gebracht werden. Ein leicht feuchter Untergrund ist hingegen in der Regel kein Problem, wenn der Patient trocken ist und die Defi-Patches richtig platziert sind.
 
✅ Richtig
Der Mann ist bewusstlos und atmet nicht. Damit ist eine sofortige Reanimation indiziert. Diese sollte unmittelbar begonnen werden. Sollte die Frau noch in der Lage sein, kann mit ihr eine abwechselnde Reanimation durchgeführt werden. Gegebenenfalls die Umstehenden hinzuziehen, um eine hohe Kompressionsqualität zu erreichen. Es wäre nicht schlecht, jemanden abzustellen zur Einweisung.


Wasser aus den Lungen zu entfernen, gilt heutzutage als obsolet. Nichtsdestotrotz ist bei Ertrinkungsunfällen eine zügige Gabe von Sauerstoff notwendig. Dies fällt unter die reversiblen Ursachen des Herz-Kreislauf-Stillstands. Diese sind Hypoxie, Hypovolämie, Hypo- oder Hyperkaliämie sowie Hypo- oder Hyperthermie. Es gibt noch vier weitere, die sollte man an dieser Stelle aber erst einmal ignorieren. Die wahrscheinlichste Ursache für den Kreislaufstillstand ist hier die Hypoxie durch Ertrinken. Ob das Ertrinken primär oder sekundär stattgefunden hat, ist an dieser Stelle nicht festzustellen.


Ablenkung ist höchstwahrscheinlich die Uhr. Es macht wenig Sinn, den Sturz als Ursache zu betrachten. Am ehesten hat der Schwimmer die Uhr auf den Untergrund geworfen, und dadurch wurde der Sturz erkannt. Die Zeitachse passt einfach nicht. Nichtsdestotrotz sollte man den Sturz nicht ganz außer Acht lassen. Eventuell ist er ausgerutscht, könnte auf den Kopf gefallen sein und somit die Ursache für eine Synkope und das danach folgende Ertrinken sein.


In der unmittelbaren Erstversorgung spielt das erst einmal keine Rolle. Von daher sollte die Beatmung im Gegensatz zur trockenen Reanimation zumindest gleichwertig zur Thoraxkompression gesehen werden. Es sollten 5 Beatmungshübe innerhalb kurzer Zeit appliziert werden, um die Lunge erneut mit sauerstoffhaltiger Luft zu füllen.


Beim Ertrinken liegt als Rhythmus meist eine Asystolie oder eine PEA vor, Herzrhythmusstörungen im Sinne von Kammerflimmern sind eher unwahrscheinlich. Wenn der Rettungsdienst eintrifft, sollte man die Fakten kurz zusammenzählen. Den Sturz kann man erwähnen, aber gleichzeitig betonen, dass dieser als Ursache als unwahrscheinlich gilt.


Ein AED oder anderer Defibrillator sollte trotzdem frühzeitig angebracht werden, da nur der Rhythmus eine schockbare Situation sicher ausschließen kann. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass nicht allzu viel Feuchtigkeit am und um den Patienten herum ist. Auch wenn Studien gezeigt haben, dass keine direkte Gefährdung für die umstehenden Helfer besteht, so leitet die feuchte Haut den Strom trotzdem auf atypischen Wegen, sodass weniger Defibrillationsenergie am Herzen ankommt. Dafür könnten die bereitgelegten Handtücher genutzt werden. Gleichzeitig kann man mit diesen einen gewissen Auskühlungsschutz erreichen.


Sollte die Körpertemperatur unter 30 Grad gesunken sein, gilt: Fortführung der Reanimation bis zum Erreichen einer Temperatur von über 34 Grad. Noch immer gilt der Leitsatz: „Nobody's dead till he's warm and dead." Damit dieser Text nicht unendlich lang wird, belasse ich es mal dabei.
 
❌ Leider nicht (ganz) richtig
Wasser aus der Lunge holen, für trockenen Untergrund sorgen,
 
❌ Leider nicht (ganz) richtig
1. Reanimation übernehmen, und einen Anwesenden zum Einweisen des RTW und NEF schicken
Wenn noch nicht geschehen, lasse ich einen zweiten den Betroffenen mit den Handtüchern trocken reiben, um die Defipads zu kleben.
2. Wichtig sind wahrscheinlich die Handtücher und der nasse Holzboden
3. Den Defi kann ich nur als Analysegerät verwenden auf nassem Boden sollte man auf keinen Fall schocken. (Selbstschutz wegen Strom)
Wenn möglich legt man den Betroffenen auf eine trockene Stelle oder wartet auf den RTW.
Bei der Übergabe würde ich das Eisbaden, die ca. 3 Minuten im Wasser erwähnen und auf die SmartWatch verweisen, falls der Betroffene die überhaupt an hatte.

Hinweis vom Team
Auch am nassen Steg wird geschockt, wenn der Defi es sagt. Brustkorb abtrocknen, Patient nicht in der Pfütze, beim Schock berührt ihn niemand.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
✅ Auflösung
Auflösung Fall #2 – Samstag, 9:15 Uhr

Danke an alle, die mitgeraten haben! Hier die Auflösung:

Was ist los?
Ein Ertrinkungsunfall mit Kreislaufstillstand. Der große Unterschied zu Fall #1: Dort blieb das Herz plötzlich stehen – das Blut war noch voller Sauerstoff, deshalb zählte vor allem sofortiges Drücken. Hier ist es umgekehrt: Der Mann hat unter Wasser keine Luft bekommen, der Sauerstoff ist aufgebraucht, und deshalb ist das Herz stehen geblieben. Drücken allein pumpt dann Blut ohne Sauerstoff durch den Körper. Beatmen ist hier besonders wichtig.

Für alle – was jetzt?

  • Eigenschutz: Der Steg ist nass und glatt, das Wasser 12 Grad. Niemand geht hier noch ins Wasser.
  • Wer Beatmung gelernt hat: Zuerst 5 Beatmungen, dann weiter im Rhythmus 30:2. Perfekte Teamarbeit: Die Frau drückt weiter, du übernimmst die Beatmung.
  • Wer nicht beatmen kann oder will: Drücken, drücken, drücken. Herzdruckmassage allein ist auch hier viel besser als nichts.
  • Kein Wasser „rausholen“: Nicht auf den Kopf stellen, nicht auf den Bauch drücken, kein Heimlich-Griff. Das kostet nur Zeit. Läuft Wasser oder Erbrochenes aus dem Mund: Kopf kurz zur Seite drehen, Mund auswischen, sofort weitermachen.
  • Leitstelle auf Lautsprecher – sie leitet euch an.

Für Spürnasen – der Schlüssel und die Ablenkung
  • Der Schlüssel: „Bis wir ihn draußen hatten, hat das zwei, drei Minuten gedauert.“ Er war unter Wasser – das macht aus dem Fall einen Sauerstoffmangel-Stillstand und verändert, was zuerst zählt.
  • Die Falle: „Wasser aus der Lunge holen“. Klingt logisch, ist aber ein Mythos und kostet wertvolle Sekunden.
  • Ablenkung: Thermoskanne und Neoprenhandschuhe. Die Handtücher dagegen sind Gold wert – siehe Profis.
  • Erst später wichtig: Die Smartwatch. „Sturz erkannt – 9:08 Uhr“ ist für die Übergabe ein wertvoller Hinweis auf den Zeitpunkt. Jetzt aber kein Grund, das Drücken zu unterbrechen.

Für Profis – Defi am Steg und Übergabe
  • Defi am Wasser: Brustkorb mit einem Handtuch kurz trocken wischen, dann Pads kleben. Der Mann sollte nicht in einer Pfütze liegen. Beim Schock berührt ihn niemand. Ansonsten gilt wie immer: den Anweisungen des Geräts folgen.
  • Kälte: Der Mann ist unterkühlt. Das ist kein Grund aufzuhören – im Gegenteil, Kälte kann das Gehirn eine Zeit lang schützen. Es gilt der alte Satz: „Niemand ist tot, bevor er nicht warm und tot ist.“ Ob abgebrochen wird, entscheidet der Rettungsdienst, nicht wir.
  • Wärmeerhalt nebenbei: Handtücher und Bademäntel über Beine und Körper legen – ohne das Drücken zu stören.
  • Übergabe: Wie lange unter Wasser (ca. 2–3 Minuten), Wassertemperatur (12 Grad), Sturz laut Uhr um 9:08 Uhr, seit wann gedrückt wird, ob beatmet wurde, ob und wie oft geschockt wurde, ob er erbrochen hat.

Gut aufgepasst, @Stefan22 und @DBoettchers - Die Uhr lag auf der Bank – der „Sturz“ kann auch vom Ablegen stammen. Bei der Übergabe erwähnen, aber nicht als gesicherten Zeitpunkt.

Merksatz der Woche:
Ertrinken heißt Sauerstoffmangel. Wer es kann: erst 5-mal beatmen, dann 30:2. Wer es nicht kann: einfach drücken. Und niemals Zeit damit verlieren, Wasser „rauszuholen“.

Und jetzt ihr: Wer von euch ist im Wasserrettungsdienst unterwegs oder geht selbst eisbaden? Was ist euch am Wasser schon begegnet?

Nächsten Montag gibt es Fall #3.

Die Auflösung orientiert sich an den aktuellen Reanimationsleitlinien und ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und ist keine Medizinische Beratung und/oder Handlungsempfehlung.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Auflösung Fall #2 – Samstag, 9:15 Uhr

Danke an alle, die mitgeraten haben! Hier die Auflösung:

Was ist los?
Ein Ertrinkungsunfall mit Kreislaufstillstand. Der große Unterschied zu Fall #1: Dort blieb das Herz plötzlich stehen – das Blut war noch voller Sauerstoff, deshalb zählte vor allem sofortiges Drücken. Hier ist es umgekehrt: Der Mann hat unter Wasser keine Luft bekommen, der Sauerstoff ist aufgebraucht, und deshalb ist das Herz stehen geblieben. Drücken allein pumpt dann Blut ohne Sauerstoff durch den Körper. Beatmen ist hier besonders wichtig.

Für alle – was jetzt?

  • Eigenschutz: Der Steg ist nass und glatt, das Wasser 12 Grad. Niemand geht hier noch ins Wasser.
  • Wer Beatmung gelernt hat: Zuerst 5 Beatmungen, dann weiter im Rhythmus 30:2. Perfekte Teamarbeit: Die Frau drückt weiter, du übernimmst die Beatmung.
  • Wer nicht beatmen kann oder will: Drücken, drücken, drücken. Herzdruckmassage allein ist auch hier viel besser als nichts.
  • Kein Wasser „rausholen“: Nicht auf den Kopf stellen, nicht auf den Bauch drücken, kein Heimlich-Griff. Das kostet nur Zeit. Läuft Wasser oder Erbrochenes aus dem Mund: Kopf kurz zur Seite drehen, Mund auswischen, sofort weitermachen.
  • Leitstelle auf Lautsprecher – sie leitet euch an.

Für Spürnasen – der Schlüssel und die Ablenkung
  • Der Schlüssel: „Bis wir ihn draußen hatten, hat das zwei, drei Minuten gedauert.“ Er war unter Wasser – das macht aus dem Fall einen Sauerstoffmangel-Stillstand und verändert, was zuerst zählt.
  • Die Falle: „Wasser aus der Lunge holen“. Klingt logisch, ist aber ein Mythos und kostet wertvolle Sekunden.
  • Ablenkung: Thermoskanne und Neoprenhandschuhe. Die Handtücher dagegen sind Gold wert – siehe Profis.
  • Erst später wichtig: Die Smartwatch. „Sturz erkannt – 9:08 Uhr“ ist für die Übergabe ein wertvoller Hinweis auf den Zeitpunkt. Jetzt aber kein Grund, das Drücken zu unterbrechen.

Für Profis – Defi am Steg und Übergabe
  • Defi am Wasser: Brustkorb mit einem Handtuch kurz trocken wischen, dann Pads kleben. Der Mann sollte nicht in einer Pfütze liegen. Beim Schock berührt ihn niemand. Ansonsten gilt wie immer: den Anweisungen des Geräts folgen.
  • Kälte: Der Mann ist unterkühlt. Das ist kein Grund aufzuhören – im Gegenteil, Kälte kann das Gehirn eine Zeit lang schützen. Es gilt der alte Satz: „Niemand ist tot, bevor er nicht warm und tot ist.“ Ob abgebrochen wird, entscheidet der Rettungsdienst, nicht wir.
  • Wärmeerhalt nebenbei: Handtücher und Bademäntel über Beine und Körper legen – ohne das Drücken zu stören.
  • Übergabe: Wie lange unter Wasser (ca. 2–3 Minuten), Wassertemperatur (12 Grad), Sturz laut Uhr um 9:08 Uhr, seit wann gedrückt wird, ob beatmet wurde, ob und wie oft geschockt wurde, ob er erbrochen hat.

Gut aufgepasst, @Stefan22 und @DBoettchers - Die Uhr lag auf der Bank – der „Sturz“ kann auch vom Ablegen stammen. Bei der Übergabe erwähnen, aber nicht als gesicherten Zeitpunkt.

Merksatz der Woche:
Ertrinken heißt Sauerstoffmangel. Wer es kann: erst 5-mal beatmen, dann 30:2. Wer es nicht kann: einfach drücken. Und niemals Zeit damit verlieren, Wasser „rauszuholen“.

Und jetzt ihr: Wer von euch ist im Wasserrettungsdienst unterwegs oder geht selbst eisbaden? Was ist euch am Wasser schon begegnet?

Nächsten Montag gibt es Fall #3.

Die Auflösung orientiert sich an den aktuellen Reanimationsleitlinien und ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und ist keine Medizinische Beratung und/oder Handlungsempfehlung.
Ich hatte schon wirklich viele Fortbildungen 1.Hilfe, das mit dem zuerst 5 mal beatmen habe ich noch nie gehört 😔
Aber jetzt werde ich das nie wieder vergessen!!!
Vielen Dank für das tolle Fallbeispiel 👍
 
Ich hatte schon wirklich viele Fortbildungen 1.Hilfe, das mit dem zuerst 5 mal beatmen habe ich noch nie gehört 😔
Aber jetzt werde ich das nie wieder vergessen!!!
Vielen Dank für das tolle Fallbeispiel 👍

Liegt wohl daran, daß es noch niemand in den Kursen gesagt hat und in den, vom DRK anerkannten Büchern, auch nix zu finden ist. Zumindest in meinen nicht.
1000016654.webp1000016653.webp1000016656.webp
 
Danke für dein Feedback! Bei Fallbeispielen und Informationen berücksichtigen wir immer die aktuellen Reanimationsrichtlinien.

Ertrinken
• Organisierte Ersthelfer sollen Rettungsmaterial und Schwimmhilfen ver-
wenden, mit denen Sie trainiert sind.
• Die Stabilisierung der Wirbelsäule soll die Rettung des Betroffenen aus
dem Wasser nicht verzögern, wenn eine Reanimation erforderlich ist.
• Beginnen Sie mit 5 Beatmungen, falls verfügbar mit 100 % Sauerstoff, und
fahren Sie dann mit dem Standardprotokoll für die Reanimation fort.
• Atemwegs- und Beatmungsequipment kann verwendet werden, wenn der
Nutzer entsprechend geschult ist.
• Erhöhen Sie um eine Magenüberblähung zu vermeiden den Beatmungs-
druck schrittweise, wenn ein höherer Inspirationsdruck erforderlich ist.
• Erwägen Sie eine eCPR nach den lokalen Protokollen, wenn die initiale
Reanimation erfolglos ist.
• Befolgen Sie die Empfehlungen zur Unterkühlung.



Die 5 initialen Beatmungen beim Ertrinken stehen in den aktuellen Reanimationsleitlinien. Wie ausführlich sie in Erste-Hilfe-Kursen behandelt werden, ist sehr unterschiedlich – in der Wasserrettung (z. B. DLRG, Wasserwacht) gehören sie fest dazu.

Liegt wohl daran, daß es noch niemand in den Kursen gesagt hat und in den, vom DRK anerkannten Büchern, auch nix zu finden ist. Zumindest in meinen nicht.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Zurück
Oben

Du verlässt RETTERNETZWERK

Dieser Link führt zu einer externen Website:

Für Inhalte externer Websites sind wir nicht verantwortlich. Beim Aufruf erhält der Betreiber der Zielseite Daten wie deine IP-Adresse – dort gilt dessen Datenschutzerklärung.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Weiter zur Website